Über „Guide Gods“ von Claire Cunningham

Wann: 09.11. + 10.11. + 12.11.
Wo: LVR-Berufskolleg Gerresheim

Wann: 14.11. + 15.11.
Wo: Versöhnungskirche, Platz der Diakonie

Dt. Erstaufführung, Reihe Response-ability

Tanzende Teetassen von Laura Rinke
„Everyone likes a good cup of tea”, so Factory Artist Claire Cunningham zu Beginn ihrer Performance am 9. November. Anlässlich der Deutschlandpremiere ihres Bühnenstückes „Guide Gods“, lädt die gebürtige Schottin die Besucher*innen ein, der Frage nachzugehen: Hat die Religion Platz für mich?
Schon mit Eintritt in den Raum des LVR-Berufskollegs scheint man geradewegs in die Szenerie hineinzufallen. Ein leichter Duft von Weihrauch liegt in der Luft, der einen die Welt draußen ausblenden lässt. Diese spirituelle Atmosphäre wird von Derek Nisbets Geigenspiel unterstrichen, der die gesamte Performance musikalisch auf der Geige auch auf dem Harmonium begleitet.
Inmitten der Zuschauer*innen, die sich im Kreis zusammenfinden, beginnt Claire Cunningham das Porzellan vor ihr auf dem Boden zum Leben zu erwecken. Der Performance vorangegangene Interviews von Menschen verschiedener Religionen, verleihen den Tassen, dank eingeblendeten Audiospuren, ihre Stimmen. So hält die Performerin ihnen ihr Mikro hin, um zu erfahren, dass beispielsweise der buddhistische Mr. Rong die Behinderung als Strafe eines vorangegangenen Lebens empfindet. Verwirrt durch diese und weitere Aussagen beginnt ein emotionaler Tanz, in dem die Teetassen, die sie verschiebt und stapelt, Ausdruck ihres Versuches sind, die unterschiedlichen Perspektiven zu ordnen. Den Atem anhaltend, mit der Sorge, gleich geht doch noch eine Tasse kaputt, beobachten wir Zuschauer*innen, wie Claire Cunningham mit Hilfe ihrer Krücken über den Tassen schwebt und dieses Thema, so sensibel und zerbrechlich wie die Tassen selbst, an sich heranlässt. Dabei zeigt sie großes Können und ein hohes Maß an Körperbeherrschung, welches zudem die gesellschaftlich etablierte Assoziation zwischen Behinderung und Zerbrechlichkeit in Frage stellt.
Aber was sagt Gott denn nun? Trotz der unterschiedlichen religiösen Einflüsse bleibt Claire Cunningham fern von einer allgemein gültigen Antwort und wendet sich an das Publikum. Mit der Frage „Sag mir, was du liebst.”, gestaltet sie ihre Performance nicht nur interaktiv, sondern verlagert gleichzeitig den Fokus. So lässt sie eine Unterscheidung zwischen Menschen mit und ohne Behinderung hinter sich, und bewegt sich hin zu dem Appell, die Menschen nicht nur schwarz oder weiß zu sehen, sondern in Millionen Schattierungen dazwischen.
Die gesamte Vorstellung wird durch Audiodeskription und Übertitel nicht nur barrierefrei, sondern ermöglicht ihr Witz und Ironie einzubringen, da ihr die Audiodeskription zeitweise einen Schritt voraus ist. Trotz des Humors wirkt Claire Cunningham jedoch recht gefasst und kühl, wodurch teilweise der Wunsch nach mehr bunten Farben in der Welt der grauen Schattierungen aufkommt. Für jeden, der den Dialog zum Thema Religion und Behinderung sucht, ist diese Performance sehr  sehenswert. Denn die talentierte Tänzerin zeigt mit entzückenden Krücken und sprechende Teetassen eine tanzende Annäherung an eine zerbrechliche Thematik, die die Menschen einander näher bringen kann.

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