Über die Physical Introduction vor „Speak Up!“ von Alida Dors

Wann: 25.02.
Wo: tanzhaus nrw
Im Rahmen des Festivals „You’re invited, if that’s ok?“

Der Rhythmus in mir von Laura Lindemann

So. Jetzt lasse ich alles los. Einatmen. Ausatmen. Einatmen. Beim Ausatmen schmeiße ich ihn raus. Den Frust über die klirrende Kälte draußen, die verpatze Klausur in der Uni und alles, was sonst noch so an hartnäckigem Ballast an mir klebt. Ich atme es einfach weg. Stehe mit beiden Beinen fest auf dem Boden, sodass ich mich sicher und verwurzelt fühle. Nichts kann mich aus der Ruhe bringen. Mein Atem fließt durch meinen Körper. Ich lege die Hand auf meine Brust und spüre mein Herz pulsieren. Tha-Bump, Tha-Bump, Tha-Bump. „Feel your heartbeat. So, I will play the music. Oh yes, that is fine. Dance with the music. Go with the rhythm. Very good.” Und ich gehe mit dem Rhythmus. Meine Füße beginnen wie von selbst, auf und ab zu wippen, meine Hüfte dreht sich im Takt zur Musik, mein Kopf neigt sich hin und her. Erst ganz zaghaft, dann immer heftiger. Ich schließe die Augen und bewege mich nur von der Musik geleitet. Mein Körper ist wie energetisch aufgeladen. Schließlich tanzen alle Teilnehmer*innen wild durch den Raum, der nun förmlich vor aufgeheizter Energie zu brennen scheint.
„Really good, feel the rhythm!” Die quirlige Tänzerin und Choreografin Anja Bornsek leitet heute einen Selbstversuch in Form einer Physical Introduction zu der „Speak Up!“-Performance von Alida Dors im Rahmen des Festivals „You’re invited, if that’s ok?“ an, die anschließend im Tanzhaus NRW aufgeführt wird. Ziel ist es, ein körperliches Verständnis für den Bühnentanz zu bekommen und die Sinne für das darauffolgende Stück zu schärfen. Anja Bornsek schafft es mit ihrer einfühlsamen Art, alle Teilnehmer*innen mit ins Boot zu holen. Jede*r darf in ihrem*seinem Tempo die Übungen machen, die sie*er für sich mitnehmen möchte. Meine Ängste, mich hier sportlich extrem betätigen zu müssen und irgendwelche professionellen Horror-Choreografien nachzutanzen, stellt sich als unbegründet heraus. Das hier kann wirklich jede*r. Jede*r, die*der bereit ist, sich selbst ein Stück weit näher kennenzulernen.
Anja zeigt uns einige Bewegungen, die den Atem beim Ein- und Ausfließen unterstützen sollen. Wir machen viele Übungen für uns alleine, einige auch im Team.
Die Stunde ist im Nu zu Ende. Ich fühle mich ausgepowerter als nach jedem Aufenthalt im Fitnessstudio. Das war kein stupides Sporttraining, das war eine Begegnung mit mir selbst. Ich habe mich in meinem Körper gespürt. Ich habe innere Lasten gespürt, habe sie versucht aus meinem Körper auszutreiben, ihn zu bereinigen. Das ist ziemlich anstrengend gewesen, da ich mich mit diesen Gefühlen auseinandersetzen musste. Aber auch unglaublich befreiend.
Beglückt und federleicht verlasse ich den Raum, den ich zuvor gar nicht betreten wollte.

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