Über „RULE OF THREE“ von Jan Martens

Wann: 06.10. + 07.10. 20:00
Wo: tanzhaus nrw / Dt. Erstaufführung

Foto: Phile Deprez

Drei sind ’ne Party von Meike Lerner

Wummernde Bässe, treibende Beats, sich vom Sound treiben lassende Tänzer*innen und Phasen eher nicht so gelungener, chemisch hervorgerufener Bewusstseinserweiterung: Jan Martens Stück „RULE OF THREE“, das am 06. Oktober im Tanzhaus NRW Deutschlandpremiere feierte, war die perfekte Clubnacht inklusive spannender Dreiecks-Konstellation kondensiert in rund 70 Minuten Performance.
Vor Beginn des Stücks Ohrstöpsel zu verteilen, war keine übertriebene Vorsichtsmaßnahme. Die Drums, mit denen der amerikanische Drummer NAH, der live performte, das Stück eröffnete, waren ohrenbetäubende Paukenschläge. Glücklicherweise pegelte sich die Lautstärke alsbald auf ein Level ein, das gerade kraftvoll genug war, um den Takt für die drei Tänzer*innen vorzugeben. Diese nahmen die Herausforderung an und gaben sich sportlich auf ihrer Tanzfläche. In hippen Trainingsoutfits perfektionierten sie Bewegungsausschnitte klassischer „Clubtänze“ inspiriert vom frühen Rave bis hin zum aktuellen HipHop und wirkten dabei mitunter tatsächlich wie Leichtathleten beim Training. Passend zur Musik formten Steven Michel, Julien Josse und Courtney May mechanisch/geometrischen Bewegungen/Figuren, die sie immer weiter verfeinerten und minimal variierten, wodurch trotz der Wiederholungen eine angenehme Dynamik entstand.
Und wie drei Freunde, die gemeinsam durch die Nacht tanzen, bildeten sie eine harmonische Einheit, ohne direkt zu interagieren. Verbunden blieben die drei durch einen ganz eigenen Bewegungskanon, mit dem sie untereinander zu kommunizieren schienen. Das Wechselspiel unterschiedlicher Paarkonstellationen, die sich fanden, auseinanderdrifteten und neu arrangierten, erzeugte ein gewisses Spannungsfeld – für die Zuschauer aber auch unter den Tänzer*innen selbst. Zumal die sich kaum auf eindeutige Rollenzuweisung festnageln ließen. Nur in einer Szene wurde die traute Dreisamkeit unterbrochen und Steven Michel und Courtney May gerieten in eine im wahrsten Sinne des Wortes schummrige, nebulöse und diffuse Intimität, die eher beängstigend grob als sinnlich war. Insgesamt erinnerte die Situation eher an das Ergebnis eines schlechten Trips, bei dem hinterher nicht klar ist, ob das Gesehene wirklich passiert ist oder bloße Einbildung war. In die gleiche Kategorie fiel das Solo von Courtney May, in dem die zierliche Tänzerin zum fratzenziehenden Derwisch geriet.
Am Ende der Nacht besannen sich die drei ganz auf sich selbst, formierten sich immer wieder neu um sich selbst herum, folgten den Posen des jeweils anderen und improvisierten so immer neue Dreier-Konstellationen, die viel Nähe untereinander und Abgrenzung gegen den Rest der Welt demonstrierten. Ob es dazu wirklich nötig war, sich komplett nackt zu präsentieren sei dahingestellt. Einen zusätzlichen Effekt brachte es jedenfalls nicht.

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