„Frühlingsopfer“ aufgeführt von She She Pop und ihren Müttern

Wann: 24.04. 20:00 + 25.04. 20:00
Wo: tanzhaus nrw

She She Pop „Frühlingsopfer“ (c) Doro Tuch

She She Pop „Frühlingsopfer“ (c) Doro Tuch

Über die Performance „Frühlingsopfer“ von Bastian

In der deutschen Performance-Szene ist das Kollektiv She She Pop schon lange bekannt und beliebt. Am 24.04 waren Sebastian Bark, Lisa Lucassen, Ilia Papatheodorou und Mieke Matzke zu Gast im Tanzhaus NRW – mit ihren Müttern.

Was an diesem Abend zu sehen war, ist nicht einfach mit dem Begriff „Tanz“ zu erfassen, sondern es ist vielmehr eine beeindruckende multimediale Performance, die (unter anderem) den Tanz als Werkzeug zur Selbsterfahrung nutzt. Das Stück beginnt auf einer leeren Bühne, auf der nur vier Stoffbahnen hängen, die, so wird sich herausstellen, von großer Bedeutung für das Stück sein werden. Die Bühne wird von She She Pop bespielt wie ein Laboratorium, es folgt ein Schritt auf den anderen und immer wird genau erklärt was passiert oder passieren wird.

Erster Akt: Ein Prolog. Die Schauspieler bzw. Tänzer bzw. Performer (Was denn eigentlich?) erzählen von ihren Müttern, in deren Abwesenheit. Das heißt: in deren körperlicher Abwesenheit. In Form einer Videoprojektion sind die Mütter jedoch sehr wohl anwesend und werden dadurch zu Akteurinnen im Stück. Mal erzählen sie wie in einer Interviewsituation, mal bewegen sie sich im Bühnenraum der Videowelt, die dort wie ein Guckkasten in die Bühnensituation der großen Bühne des Tanzhauses eingelassen ist.

Die Mütter sind mit den Schauspielern anwesend – so wie die Mütter einer jeden Person durch die Prägungen und Einflüsse aus Kindestagen permanent mit anwesend sind, denn „Wir sind alle Kinder von Müttern“, wie Sebastian Bark zu Beginn des Stückes formuliert. Doch sind wir dadurch auch Opfer? Oder machen wir durch unsere Existenz gar unsere Eltern zum Opfer? Dies sind die Fragen, die die Performer stellen und dann durch musikalische Zuhilfenahme des Stückes „Frühlingsopfer“ von Igor Strawinsky tänzerisch ausfechten. Unter Einbindung der halbtransparenten Videoprojektion wird getanzt; was zwischendurch wie ein Fiebertraum anmutet, ist eine intermediale Videoperformance, die mit Projektion und Überschneidung arbeitet. Die Kinder werden im Verhältnis zu ihren Eltern gezeigt, in kämpferischer Auflehnung, aber auch in körperlicher Anlehnung, wie wenn Sebastian Bark sich in der Projektion plötzlich im Schoß seiner Mutter wiederfindet.

Zu den Ausgangsfragen, die zuvor aufgeworfen wurden, gibt es keine endgültigen Antworten. Aber das ist es, was die Arbeiten von She She Pop ausmacht: Es soll hier kein Urteil gesprochen werden, sondern es gerinnt viel mehr die Verhandlung von Fragen zu einer Performance – und zwar zu einer höchst mitreißenden.

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