B2B „Tabi“ / Showing der Jugendkompanie des tanzhaus nrw

Wann: 12.04. 18:00 + 19:00
Wo: tanzhaus nrw

Showing der Jugendkompanie B2B (c) Andreas Endermann

Showing der Jugendkompanie B2B (c) Andreas Endermann

Von HipHop und Verbeugungen von Ann-Kathrin

Es gibt viele Dinge, die auf den ersten Blick nicht zusammenpassen: Chili und Schokolade, Franzosen und Engländer, Romeo und Julia. Trotzdem funktioniert das manchmal. Ganz ähnlich kann man die Erfahrung beschreiben, die ich bei der Uraufführung von „Tabi“ der HipHop-Formation Back2Basics machte.

Die Aufführung sollte um 18Uhr beginnen, tat sie natürlich nicht. Akademische 10 Minuten später war dann aber doch endlich Einlass, ich suchte mir einen Platz in der ersten Reihe des Studio 6 des Tanzhaus NRW. Schon der Ankündigungstext hatte mich neugierig gemacht, eine HipHop-Choreographie gepaart mit japanischen Elementen – HipHop, Kung Fu oder was? Ich war also gespannt. Zur Expertise hatte ich mir Unterstützung besorgt, meine Schwester – selbst HipHop-Tänzerin und auch schon auf einigen Meisterschaften anwesend gewesen – begleitete mich.

Der Anfang war recht unspannend. Klassische japanische Elemente, Solo-Tänzer, viele Verbeugungen. Anscheinend eine einzige Begrüßungszeremonie. Und dann das mit den Schuhen: anziehen, ausziehen, anziehen, ausziehen … Dann der erste Bruch. Ein Video wurde gezeigt, die Tänzer beim Training, ganz privat. Wie sie japanische Kostüme anprobieren, sich an Kampfkunst versuchen, Schriftzeichen üben.

Dann geht der Blick zurück auf die Bühne: gestellte Kampfszenen, ohne Hektik, fast schon an Tae-Bo erinnernd. Woran ich sofort erinnert werde, ist Takao Babas Stück „Rōnin – made in Germany“ (für die, die es nicht gesehen haben, hier einige Rezensionen). Dieselbe passive Kraft, ähnliche Musik (ich wusste gar nicht, dass es japanischen HipHop gibt!), eine zurückhaltende, doch ausdrucksstarke Choreographie. Sanft wie ein Ninja und doch das Spiel mit Brüchen, vor allem Ausbrüchen aus der Gemeinsamkeit der Formation und im metaphorischen Sinne auch aus der kollektiven Gemeinschaft. Die Japaner, eine sehr stolze, sehr unindividuelle Kultur, die doch gerade durch die sanfte Rebellion ihrer Jugendlichen geprägt ist. All das zeigen Back2Basics in der knappen Stunde – mit einer HipHop-Choreographie.

Ich kann es nicht anders beschreiben, müsste es wohl noch zehn Mal sehen, um es in seiner Ganzheit und seinen Kleinigkeiten wirklich zu verstehen. Oder elf. Die Komplexität und Schlichtheit der Bewegungen faszinieren und als wir das Studio 6 verlassen, bin ich mir immer noch nicht sicher, was ich da eigentlich gerade gesehen habe. Es war HipHop mit Breakdance, Popping. Es war wie in einem japanischen Stummfilm. Und es war auch Jugendkultur, die beides auf einzigartige Art und Weise vereinen konnte. Den Tänzerinnen und Tänzern gelingt eine Verschmelzung zweier so unterschiedlicher Kulturen, die eigentlich nicht zusammenpassen können und es funktioniert trotzdem. Eben wie Chili und Schokolade, Franzosen und Engländer, Romeo und Julia.

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