„Ad Libitum“ Andrés Marín / Im Rahmen des Flamenco Festivals

Wann: 02.04. 20:00 + 03.04. 20:00
Wo: tanzhaus nrw

Andrés Marín in „Ad Libitum“ (c) Klaus Handner

Andrés Marín in „Ad Libitum“ (c) Klaus Handner

Der Ausbruch des Freiseins von Kunthanee

Als einer der wichtigsten Vertreter des zeitgenössischen Flamencos führte Andrés Marín sein neues Werk „Ad Libitum“ im Rahmen des Flamenco-Festivals (27.03.2015 – 06.04.2015) auf. „Ad Libitum“, lateinisch für „beliebig“, hatte am Donnerstag, den 02.04.2015, um 20 Uhr Deutschlandpremiere und am folgenden Tag die zweite Aufführung im tanzhaus nrw.

Schon zu Beginn fühlt man sich durch den eingespielten Sound, wie in eine Landschaft einer Wüste versetzt, bevor Andrés Marín die Bühne singend betritt. In den nächsten 70 Minuten entführen uns ein Tänzer, ein Gitarrist und ein Sänger auf eine einzigartige Reise. Der Choreograf und Tänzer, Andrés Marín, der stimmgewaltigen Sänger, José Valencia sowie der autodidaktische Begleitgitarrist Salvador Gutiérrez zaubern aus einem äußerst schlichten Bühnenbild ganze Landschaften.

Der Flamenco flechtet einen Dialog zwischen Tänzer, Musiker und dem Publikum. Es wirkt wie eine Art Frage-Antwort-Spiel in einer Dreiecksbeziehung, dem man sich nicht entziehen kann. Das Publikum wird gefesselt von dem Wechsel und dem Zusammenspiel von langsamen sowie rasanten Bewegungen mit Armen, Händen, Beinen und Füßen. Die Körperhaltung, -spannung und -beherrschung zeigt nicht nur sehr viel Grazie, Anmut und Stolz. Der spanische Tänzer und Choreograf, der aus der Hochburg des Flamencos, Sevilla, stammt und sich den Flamenco selbst beibrachte, zeigt zudem außergewöhnliche, moderne Körper-Architekturen in seinem Werk. Mit jeder Bewegung wandert jede Linie, jeder Winkel, jede Kurve zu verschiedenen Formen in seiner Choreographie. In der subversiven Dimension seiner Flamencodarstellung verwandelt sich Andrés Marín in verschiedene Gestalten, wie z. B. in die eines Stiers oder eines Vogels. Die Emotionen in den Gesichtern der drei Künstler, die Bewegungen und Musikalität bilden die essentiellen Farben des Picassos des Flamencos.

Einige Besucher mussten sich erst einmal in das Stück einfinden. Als Zuschauer würde man gerne verstehen, was für eine Geschichte auf der Bühne erzählt wird. Aber muss man Magie verstehen um auf eine Reise verzaubert und in einen Sturm von Emotionen hinein gezogen zu werden? Andrés Marín, dessen Mutter Sängerin und Vater Tänzer ist, arbeitet in seinen Werken mit keinem Regisseur, will keinen Einfluss von außen; sondern vollkommen frei sein sowie in seinen Werken keine Geschichten erzählen. Es geht um das Ersehen und Erfühlen – dem Ausbruch des Freiseins.

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