„Söhne wie wir – Mach‘ dir keine Sorgen, Mama!“

Wann: 31.01. 19:00
Wo: Junges Schauspielhaus Düsseldorf

Was die Festivalreporter sagen

#1 „Mama nervt eigentlich immer“ von Julia

„Meine Mutter versteht das nicht!“ Dies scheint auf den ersten Blick der Ansatzpunkt des Theater-Mobil-Projekts zu sein. „Söhne wie wir – Mach‘ dir keine Sorgen, Mama!“ beleuchtet die Beziehung von Müttern und Söhnen – einem Verhältnis, das sowohl von Abgrenzung wie auch Abhängigkeit gekennzeichnet ist. Die Söhne melden sich nicht, sind unselbstständig und nicht überlebensfähig. Sie werfen Chips durchs Publikum, randalieren und fluchen. Das bringt die Mütter nur zum Seufzen. Doch die Jugendlichen entschuldigen sich lieber prophylaktisch, als sich mit den Sorgen ihrer Mütter auseinanderzusetzen. Sie wollen nicht bemitleidet oder gedrängt werden. Die Jugendlichen haben ihre eigenen Probleme, suchen ihren Platz in der Welt, in der Schein alles ist. Sie flüchten sich aus dem Alltag und erheben sich über die Regelwelt der Eltern, hier dargestellt durch eine eindrucksvolle Drehkonstruktion aus einem Berg aus alten Wachmaschinen, Kühlschränken und Plastikflamingos. Das Stück spricht von einer neuen Lebensrealität, die die Jugendlichen von ihren Eltern trennt und der sich beide gleichermaßen zu stellen haben. Rebellion und Abnabelung gestalten sich aber auf beiden Seiten mehr als schwierig.

Die authentische Darstellung durch die neun Laiendarsteller trifft den Nerv des Publikums und scheint vielen von ihnen aus der Seele zu sprechen. Das Besondere an dem Stück ist, dass hier beide Parteien zu Wort kommen, auch wenn die Jugendlichen den Erwachsenen definitiv mit ihrer ungenierten, schlagfertigen und dynamischen Art die Show stehlen. Das Projekt als solches kann nur gelobt werden und was die Darsteller, besonders die Jugendlichen, über 60 Minuten auf der Bühne leisten, ist bemerkenswert.

Den einzigen Vorwurf, den man dem Stück machen kann, ist die klischeehafte Aufarbeitung des Generationenkonflikts. Wenig überrascht und vieles ist bereits ausgelutscht. Die Mütter werden als Hausfrauen deklassiert, die selbstverständlich hinter ihren Kindern herräumen und diese trotzdem geradezu vergöttern. Doch trotz aller Bemühungen: „Mama nervt eigentlich immer“.

Erst als das Stück gegen Ende einen besinnlicheren und ehrlicheren Ton anschlägt, gelingt es langsam, die Beziehung in all ihren Facetten zu begreifen und verstehen zu lernen. Dann werden die eigentlichen Sorgen und Fragen der Jugendlichen deutlich: Warum ist mir alles egal? Wie geht das mit der Liebe? Und warum ist Papa so ein Arschloch? Erst dann wird deutlich, wie wichtig das zerbrechliche und strapazierte Verhältnis zwischen beiden Seiten ist. Leider endet das Stück da, wo es hätte beginnen sollen.

#2 Söhne mit Wiedererkennungswert von Sarah K.

Bereits der Andrang vor der Kasse sagt einiges über das Interesse der Zuschauer an dem häufig konfliktbelasteten und immer aktuellen Thema der Mutter-Kind-Beziehung aus. Viele junge Leute in kleinen Grüppchen holen ihre Karten ab und eilen in den Saal des Jungen Schauspielhaus. Ein Blick in den Saal zeigt nicht nur ein sehr gut gefülltes Haus, sondern auch ein sehr gemischtes Publikum, das von jungen Leuten, deren Eltern bis hin offensichtlich älteren Personen reicht. Das besondere Verhältnis von Müttern zu ihren Söhnen steht unter dem Titel „Söhne wie wir – Mach’ Dir keine Sorgen, Mama!“ auf dem Spielplan des 8. Take-off Festival: Junger Tanz und wird von den elf Laien des Theater-Mobil-Projekts überzeugend dargestellt.

Die wechselnden Szenen des Stücks spiegeln das Leben der Heranwachsenden samt Ausflügen und gegenseitigen Besuchen ebenso wider wie die Gespräche der Mütter. Diese reichen von Rückblicken bis hin zu leichten Klagen und Unverständnis, während bei den jungen Darstellern Solidaritätsbekundungen und der Kampf um Selbstständigkeit und -darstellung im Mittelpunkt stehen. Häufig zeigen sich dabei jedoch die Widersprüchlichkeiten, egal ob es um die Vorbereitungen für den Ausflug geht, bei denen die Mütter Kleidung und Essen einpacken mussten, oder bei der Reviermarkierung in dem Auto des Vaters, wo das begehrteste Mädchen der Schule nicht fehlen darf, obwohl man sie selbst gar nicht mag.
Das elfköpfige Ensemble präsentiert sich überzeugend, so dass einige Lacher im Publikum wohl auch auf einen Wiedererkennungswert in der eigenen Familie zurückzuführen sind. Besonders aktuell erscheint auch der Bezug auf die sogenannten Helikopter-Eltern, wenn eine Darstellerin sich über die Möglichkeit der Handyortung freut um immer zu wissen, wo ihr Sohn gerade ist. Darüber hinaus werden viele zeitlose Themen angeschnitten, aber im weiteren Verlauf nicht wieder aufgegriffen. So berichtet eine Mutter von ihrer Ahnungslosigkeit in Bezug auf das Berufsbild ihres Sohnes, eine Situation die vielen jungen Leute in technischen oder moderneren Berufen bekannt sein dürfte. Von den jungen Darstellern thematisiert werden außerdem erste Beziehungen und die Erfüllung der an sie gerichteten Erwartungen, während die Älteren die Ziele der Erziehung formulieren. Das offensichtliche Spiel mit den Klischees zwischen Müttern und Heranwachsenden kann in diesem Stück als Denkanstoß dienen das eigene Verhalten in der Familie zu hinterfragen. Doch wichtiger als diese Punkte ist letztendlich die Gewissheit der mütterlichen Liebe, die für einen jungen Darsteller nur das Fazit: „Zuhause ist es am schönsten.“ zulässt.

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