„Mutanten“ Labor

Wann: 31.01. 12:00 – 17:00
Wo: FFT Düsseldorf

„Mutanten“ – ein Recherchetag im FFT Düsseldorf Reportage von Bastian

Wenn man am 30.01. durch Zufall das Foyer der FFT Kammerspiele in Düsseldorf betreten hätte, wäre es wahrscheinlich zunächst schwer einschätzbar gewesen, was hier passiert. Hinter dem Titel „Mutanten“ könnte sich allerhand verstecken und vor allem die Beziehung zum Tanz erscheint als interessante Mischung.

Der Raum ist erfüllt von dem Geräusch kleiner Elektromotoren. Vor einem aus allen Altersstufen zusammengemischten Publikum tanzt ein kleiner Lego-Roboter. Alle schauen wie gebannt zu. Der Herr über dem Roboter ist Uwe Pongs. Er ist Technik und Informatik-Lehrer an der Freien Christlichen Gesamtschule in Düsseldorf. In seinem Vortrag geht es um Chancen und Perspektiven der Robotik in Bezug auf die Bewegung. Dies illustriert er mit Hilfe von „LEGO Mindstorms Robotern“, denen er beigebracht hat, wie Sumo-Ringer gegeneinander anzutreten. Dabei ginge es ihm nicht um einen knallharten Wettkampf, sondern viel mehr um das Interesse an der ferngesteuerten und programmierten Bewegung. Dies sei es auch, was für ihn die Faszination für Robotik erst ausgelöst habe, so Pongs. Den Bezug zu Bewegung und Tanz muss man an diesem Tag nicht erst suchen oder gar konstruieren; er ist allgegenwärtig. Das, was hier mit den Robotern auf der kleinen Bühne im FFT Foyer gezeigt wird, ist eine Reflektion über choreographierte Bewegungen, über Prozesse von Anziehung und Abstoßung sowie ein In-Beziehung-Setzen mit dem Bühnenraum. All dies sind Schlagworte, die im Kontext des zeitgenössischen Tanzes nicht selten gebraucht werden. Ins Leben gerufen wurde dieser „Recherche-Tag“ von der Choreographin Stefanie Elbers und dem Regisseur Oleg Zhukov. Sie arbeiten seit 2005 zusammen mit Jugendlichen an Tanzstücken, in denen sie über die Lebenswelt von Jugendlichen reflektieren. Tanztheater von Jugendlichen für Jugendliche. Die Arbeit mit Jugendlichen empfinden sie als besonders fruchtbar, da eine neue Perspektive eröffnet werde, wenn man Jugendlichen auf Augenhöhe begegne und sie als selbstbewussten Teil in die künstlerische Produktion einbinde. Genau unter diesen Vorzeichen findet der „Recherchetag“ statt. Er ist eine Art offenes Labor und dient der inhaltlichen Vorbereitung auf ihr Tanztheater-Stück „Mutanten“, das im Juli 2015 seine Premiere im FFT feiern wird. Ein Großteil der Jugendlichen, die an dem Recherchetag teilnehmen, gehören auch zur Besetzung des Stückes. Das merkt man schon an der familiären Atmosphäre beim gemeinsamen Mittagessen.

Im Stück „Mutanten“ soll es um mögliche Zukunftsperspektiven und den transhumanistischen Gedanken der Körpererweiterung gehen. Wie bewegen wir uns in der Zukunft, was passiert wenn der Körper durch technische Prothesen erweitert werden kann und umgekehrt gefragt: Was passiert, wenn Roboter immer menschlicher werden?

Neben der inhaltlichen Auseinandersetzung kommt natürlich auch das praktische Ausprobieren nicht zu kurz. So gibt es neben einem Einführungsvortrag von dem Robotik-Experten Andreas Bischoff von der Universität Duisburg-Essen sowie dem zu Beginn schon genannten Vortrag von Uwe Pongs auch noch einen praktischen Workshop unter der Leitung von Philip Steimel. Philip Steimel ist Mitglied der Theaterkompanie machinaEX, die sich auf interaktives Computerspieltheater im Stile von klassischen „Point ’n‘ Click Adventures“ spezialisiert hat. Die Produktionen von machinaEX kommen ohne die Interaktion des Zuschauers nicht aus und verwischen die Grenze zwischen Produzent und Konsument. Mit den Teilnehmern des Recherchetags erprobt Steimel, wie es sich anfühlt selber zum Roboter zu werden und „ferngesteuerte“ Bewegungen auszuführen. Er lässt sich, nachdem er seinen Schlüssel scheinbar im Bühnenraum vergessen hat, über eine Kamera von den Jugendlichen Befehle geben, die er dann ausführt, um an den Ersatzschlüssel zu kommen. Später sollen sich die Jugendlichen gegenseitig durch das Nachahmen und Vormachen von Bewegungen aus einer misslichen Lage befreien.

Am Ende des Tages sind alle Beteiligten sichtlich erschöpft von den vielen Informationen und dem vielen Aktivitäten. Immerhin ging der Recherchetag von 12 bis knapp 17 Uhr. Doch auch jetzt verlieren Stefanie Elbers und Oleg Zhukov den Zweck nicht aus den Augen: Die Jugendlichen werden ermuntert noch Ideen bezüglich des Stückes niederzuschreiben. Es ist schwer vorstellbar, dass das Stück angesichts dieser intensiven Vorbereitung kein großer Erfolg wird.

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