Gast-Blogbeitrag zum Kurs „Tanz für Menschen mit Parkinson“

Wann: donnerstags 10:30 – 12:00
Wo: tanzhaus nrw


Zeit des Erwachens. Eine Therapie der besonderen Art für alle Menschen mit Parkinson von Oliver Bertz

Ein Tanzsaal, ein Stuhlkreis und ein freundliches „Hallo“; damit beginnt das Abenteuer mit dem nüchternen Titel „Tanz für Menschen mit Parkinson“, ein Kurs, der im Tanzhaus NRW in Düsseldorf donnerstags morgens von 10:30 – 12:00 Uhr mittlerweile seit zwei Jahren angeboten wird. Geleitet wird er von den zwei auf Parkinson spezialisierten Tanzlehrerinnen Dawna P. Dryhorub und Bridget Q. Fearn.
Als ich mich entschloss, diesen Schritt zu wagen und teilzunehmen, war mir ganz mulmig zu Mute. Wie würde ich dort aufgenommen mit meiner Behinderung? Muss ich gar vortanzen und mich blamieren? Ich hatte etwas von „Choreografien“ gelesen. Würde man(n) dort etwa Ballett tanzen? Ich schwor mir: Ich würde mich auf keinen Fall lächerlich machen! Wie erleichtert war ich, als ich im Stuhlkreis mit ebenfalls Betroffenen saß, bei gelöster Stimmung die ersten Töne erklangen und wir die Bewegungen nachahmten, die Dawna und Bridget uns vorgaben und ich plötzlich merkte, wie mein Körper sich entspannte, ganz wie von selber der Musik folgte und spürte: Was hier passiert, tut nicht nur meinem Körper gut, sondern auch meiner Seele!
Wir begegnen einander mit Respekt, jeder wird gesehen und zeigt sich zugleich mit seiner Behinderung, indem er zur Musik individuell – aber immer in der Gruppe – tanzt, sich bewegt und für eine und eine halbe wertvolle Stunde seine Krankheit fast(!) vergisst. Vor allen Dingen, wenn man weiß, man wird von der Gruppe getragen. Die Bewegungen sind immer groß und krankheitsgerecht. Sie können ganz nach Bedarf im Sitzen oder im Stehen ausgeführt werden, je nach momentaner körperlicher Verfassung. Eine Art kunstvoller musikalischer Physiotherapie, die speziell auf Menschen mit Parkinson zugeschnitten ist.
Das Wichtigste aber ist das Gefühl, mit seiner Erkrankung ernst genommen zu werden, etwas zu „können“ und mit den durch die Erkrankung eingeschränkten Möglichkeiten etwas „Schönes“ und „Sinnvolles“ zu erschaffen. Jede Woche aufs Neue. Wenn ich in die Gruppe gehe, bin ich klein und gebeugt und von der Krankheit gezeichnet. Wenn ich um 12 die Gruppe verlasse, gehe ich groß und mit breiter Brust (wenn auch manchmal nur innerlich) nach Hause. Dank der Gruppe, dank Dawna und Bridget und des Tanzhaus NRW, dass diese Gruppe mit Unterstützung des Landes NRW fördert, sind wir trotz Parkinson TÄNZER*INNEN geworden.

Mehr Infos zum Kurs „Tanz für Menschen mit Parkinson“ hier

Hier gehts zum Video-Portrait der Kursteilnehmerin Eva Maria Hoffmann auf Health tv

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