Über die Endproben des Teilnehmer*innenfestes

Wann: 05.07.
Wo: tanzhaus nrw

Pure Energie – Ein Probentag im Tanzhaus NRW, bevor das Kurssemester endet von Louisa Zabel

Eine dunkle Bühne. Leere Zuschauerreihen. Nur von oben fällt ein schwacher Lichtstrahl aus der Regie über die Tribüne nach unten. Staubpartikel spiegeln sich darin. Obwohl es draußen an die 30 Grad heiß ist, friert man beinah auf den Sitzen. Kleine trippelnde Schritte und aufgeregtes Geschnatter: Vielleicht ein Dutzend kleiner goldgelockter Mädchen in Hemden, die ihnen wie Kleider am Körper hängen, laufen auf die Bühne und suchen verzweifelt nach ihrer Position, indem ihre Köpfe von links nach rechts und irritiert zu den anderen wandern. Licht und Sound beginnen, die jungen Geschöpfe fangen an sich in einer Eleganz zu bewegen, die man ihnen kaum zugetraut hätte.
Der Gang vor den Probenstudios ist mittlerweile geflutet von hektischen Müttern, mit Kleinkindern auf dem Arm und riesigen Kinderwägen die den Weg blockieren. Ein buntes Treiben, gesäumt von kleinen Balletttrikots und bemalten Trinkflaschen, die in einer Ecke stehen und seit Monaten vergessen sind. Allein diese Momentaufnahme taucht die Betrachter*in in eine Welt ein, die selbst aus scheinbarer Willkür eine stilechte zeitgenössische Choreografie entwickelt.
Es ist Mittwoch 05.07., am späten Nachmittag. Im Tanzhaus NRW, finden die finalen Proben für das kommende Teilnehmer*innenfest im Rahmen der Kurse des Sommersemesters statt. Bereits ein halbes Jahr lang bereiten sich die Kinder und Jugendlichen auf diesen Tag vor. Dem Tag, an dem sie im Mittelpunkt der Bühnenveranstaltungen stehen.
Das Besondere an dem Angebot der Akademie des Tanzhaus NRW ist die Diversität. Ein weit geöffneter Fächer an unterschiedlichsten Möglichkeiten. So hat man die Wahl zwischen klassischem Ballett, HipHop, Jazz Dance und vielem mehr. Zudem sind niemandem Grenzen gesetzt. Dabei spielen weder Alter, Geschlecht noch Können eine Rolle. Es geht beim Tanzen um Spaß und Kreativität, so wie die Entfaltung der eigenen Person. Etwas, aus dem man körperliche und geistige Kraft ziehen kann. So bietet das Tanzhaus NRW auch ein vielfältiges Programm für Erwachsene aller Generationen sowie Tanz für Menschen mit Parkinson.
Man spürt an diesem Nachmittag, dass Tanz Leidenschaft ist. Eine Gruppe, vielleicht zwölfjähriger Mädchen, muss zu allem und jedem einen Kommentar loswerden. Es scheint ein Kräftemessen zu sein, indem man als Außenstehende*r froh ist, nicht die Dozentin sein zu müssen, die mit ihnen trainiert. Es dauert bestimmt zehn Minuten bis endlich alle zufrieden an dem richtigen Platz stehen – Aber in diesem Moment, als die Musik losgeht, laute elektrisierende Bässe, die man im ganzen Körper spürt, und man beginnt mit den Füßen zu zucken, verwandeln sich diese Mädchen in pure Energie, die über die Bühne flirrt. Tanz ist Streitschlichter. Und vor allem ist Tanz ein Zusammenkommen von Menschen verschiedenster Lebensweisen und Kulturen. Denn durch den Körper entsteht eine ganz eigene Sprache.
Um auf die Bühne zu kommen, muss man durch eine schwere verschlossene Tür hinter der sich eine Art Zwischenraum befindet. Ein Raum, mit beleuchteten Spiegeln, an denen sich die Künstler*innen für ihren Auftritt fertigmachen. Es erinnert an den Film „Black Swan“ in dem es auch um Tanz geht, aber auf eine vollkommen andere, abstruse und dunkle Weise.
Während man hier im Tanzhaus NRW in freudiger Anspannung, mit Tatendrang und einer fiebrigen Fröhlichkeit in ein organsiertes Chaos eintaucht, zeigt der Film eine andere Seite des professionellen Tanzes. Überspitzt wird dort die Perfektion einer Choreografie und das Verschmelzen mit der tänzerischen Rolle, die Tänzerin an den Rand des Abgrundes treiben, thematisiert. Auch wenn der Film natürlich eine fiktive Darstellung einer surrealen Situation ist, stellt dieser Zwischenraum zwischen Bühne und Studio, diese Gradwanderung eines Sachverhaltes da. Es schlüsselt auf, in welcher Weise Tanz verstanden werden kann.
Es ist aber drastisch zu abstrahieren, dass der gewalte Konkurrenzgedanke des Balletts, der den gesamten Film überschattet, nichts mit der Wirklichkeit des Tanzhaus NRW gemein hat. Ganz im Gegenteil basiert die Arbeit des Tanzhaus NRW auf einem kooperativen Miteinander auch auf internationaler Basis und gelebter Gemeinschaftlichkeit.
Allerdings zeigt der Film auch auf, wie sehr man sich in eine Bühnenfigur hineinleben und in ihr aufgehen kann. So verkörpert die Protagonistin am Ende nicht nur den Schwan, sie wird zu ihm. Auch bei den Kindern ist eine Transformation spürbar. Das Scheinwerferlicht verwandelt den abgeschlossenen Raum der Bühne in einen Raum der Entfaltung, in dem viele Einzelteile zu einer großen einzigen Choreografie werden. Ob HipHop in Tarnjacken, fließende Bewegungen mit bunt geringelten Socken oder Babys, die ungeplant über die Bühne flitzen: Die Leidenschaft der Kinder, so wie ihre Ernsthaftigkeit für ein gemeinschaftliches Projekt, können hier in einer positiven Weise ausgelebt werden.
So fördert das Tanzhaus NRW einen Umgang mit Tanz, der sich zu einer kreativen Professionalität entwickelt. Der besondere Spirit des Hauses zeigt: Alle Menschen aus jeder Bevölkerungsschicht mit einzubeziehen und zu verdeutlichen, dass im Tanzhaus NRW für jeden Platz ist.
Die Ergebnisse der Tänzer*innen werden dann am Samstag im großen Saal des Tanzhaus NRW zu sehen sein.

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